Spiel zwei der Finalserie geht nach großem Kampf an die Bulls – 67:72 entscheidet Titelrennen
Der RSV Lahn-Dill hat den Kampf um die Deutsche Meisterschaft 2026 verloren. Im zweiten Finalspiel der „best-of-three“ Serie verloren die Hessen am Freitagabend nach dramatischen Spielverlauf knapp mit 67:72 (14:17/37:36/51:49) bei den Thuringia Bulls. Dass sie trotz aller personellen Widrigkeiten überhaupt diese Endspiele erreichten und darin dem hohen Favoriten einen solchen Kampf auf Augenhöhe lieferten, zeigt, dass die Wetzlarer stolz auf ihre vor allem mentale Leistung sein dürfen.
Es war eine Partie, die einem Endspiel mehr als würdig war, vielleicht das beste RSV-Spiel der gesamten, eher durchwachsenen Spielzeit. Noch bis tief in das Schlussviertel lagen die Gäste in Front, schnupperten intensiv an einer Überraschung, die ihnen viele nicht zugetraut hatten, ehe am Ende zwei winzige Minuten Unaufmerksamkeit alles verspielten. Doch selbst nach diesem Tiefschlag kam der RSV noch einmal zurück, auch wenn am Ende eben eine kleine Nuance fehlte.
Die Thuringia Bulls starteten in eigener Halle druckvoll und wild entschlossen ihren achten Meistertitel einzufahren. Arie Twigt und der spätere Topscorer Aliaksandr Halouski bescherten dem Gastgeber das schnelle 4:0 (2.), ehe die Wetzlarer über einen ersten Dreier von Thomas Böhme zum 4:5 (3.) ebenso früh den Hausherren aufzeigten, dass sie nicht gewillt waren, den Titelkampf vorzeitig herzuschenken. Und auch wenn die Bulls im ersten Viertel kurzfristig auf 13:7 (5.) davonzogen und das Viertel knapp für sich entschieden, es entwickelte sich eine temporeiche, intensive und überaus sehenswerte Partie zwischen zwei Teams, die seit mehr als einem Jahrzehnt die deutsche Szene sportlich dominieren.
Im zweiten Spielabschnitt wurde es dann bereits deutlich ruhiger im selbsternannten Bullenstall, denn während Julian Lammering defensiv bärenstarke Arbeit verrichtete, störten nach der Einwechselung vor allem die beiden Center Matthias Güntner und Colin Higgins die geplante Meisterparty im thüringischen Elxleben massiv. Dabei zeigte sich, dass die in der ärgsten Personalnot kurzfristig verpflichtete Vanessa Erskine schon deutlich besser in das RSV-Spiel integriert war, als verständlicherweise noch vor Wochenfrist. Und so schien das zweite von maximal drei Finalspielen 2026 langsam, aber sicher zu kippen und die mitgereisten Fans aus Mittelhessen die akustische Oberhand zu gewinnen.
Julian Lammering stellte auf 19:20 (13.), Kapitän Böhme von der Freiwurfline aus 27:29 (17.) und wenig später ließ der Kanadier Higgins beim 34:37 (20.) dreimal hintereinander seine ganze Klasse aufblitzen. Mit einer hauchdünnen Führung aus der Kabine kommend, legte der Rekordmeister aus Wetzlar direkt nach Wiederbeginn nach. Böhme und Higgins waren von den Bulls in dieser Phase nicht mehr zu kontrollieren, erzielten so alleine in diesen zehn Spielminuten zusammen 14 Punkte und ließen ihren RSV samt Fans beim 40:44 (26.) und 45:51 (29.) von einem Coup träumen, der ein drittes und dann alles entscheidendes Finalspiel am Sonntag hätte nötig gemacht.
Die bis dato in 25 Pflichtspielen national in dieser Saison noch unbezwungenen Bulls schienen nun angeschlagen, doch bekanntlich sind diese Boxer besonders gefährlich. Und dies bewahrheitete sich entscheidend im vierten und letzten Spielviertel. Die Anzeigentafel zeigte in der 33. Spielminute ein 53:55 an, die Partie wogte emotionsgeladen hin und her, ehe zwei defensiv unaufmerksam geführte Spielminuten auf Seiten des RSV das Pendel zugunsten des thüringischen Gastgebers ausschlagen ließ. Eiskalt und um Stile einer Topmannschaft nutzen die Bulls dies eiskalt aus. Binnen 120 Sekunden zauberten sie ein 10:0 zum vorentscheidenden 63:55 (36.) auf das eigene Parkett, wobei vor allem ein Dreier des niederländischen Nationalspielers Arie Twigt dem RSV-Gemüt besonders weh tat. Die Partie schien aus der Hand gegeben zu sein und die Hausherren samt eigenem Anhang wieder wachgeküsst. Doch sinnbildlich einer schweren Saison zeigten die Wetzlarer eine mental starke Antwort und kamen selbst in dieser Situation noch einmal zurück. Ein Dreier von Higgins, zweimal physisch und willensstark Matthias Güntner sowie Quinten Zantinge sorgten bis zur 39. Spielminute für den 67:64-Anschluss. Doch die Bulls hatten nun Oberwasser und verteidigten ihre hauchdünne Führung von der Freiwurflinie zum letztendlichen 72:67-Erfolg und damit zum Gewinn der Meisterschaft 2026.
Nach der Schlusssirene ob der unglücklichen Niederlage zutiefst enttäuscht, darf der RSV Lahn-Dill dennoch stolz sein. Nicht zufrieden über die Saison hin, aber stolz auf die eigene Moral und mentale Stärke immer wieder Herausforderungen getrotzt zu haben. Somit war die letzte Partie der Spielzeit 2025/2026 auch ein Spiegelbild einer ganzen Saison.
Thüringen: Aliaksandr Halouski (22), Joakim Linden (20), Arie Twigt (10/1), Vahid Gholomazad (9), Jordi Ruiz (7/1), Hubert Hager (4), Lukas Gloßner, Marie Kier, Anil Cegil (n.e.), Tomas Klein (n.e.).
Lahn-Dill: Thomas Böhme (23/3 Dreier), Colin Higgins (16/1), Matthias Güntner (12), Michael Paye (8), Rose Hollermann (4), Julian Lammering (2), Quinten Zantinge (2), Vanessa Erskine, Finlay Erskine (n.e.), Fabian Gail (n.e.).
Foto (Armin Diekmann): Gemeinsam alles gegeben (Auszeit während des ersten Finalspiels in der Buderus Arena)




