RSV zeigt sich trotz 55:68 kämpferisch und vielfach auf Augenhöhe
Im ersten Playoff-Finalspiel um die Deutsche Meisterschaft hat der RSV Lahn-Dill alles in die Waagschale geworfen, kämpferisch überzeugt, es aber dennoch nicht geschafft dem Titelverteidiger RSB Thuringia Bulls die erste Saisonniederlage auf nationaler Ebene beizufügen. Am Ende unterlagen die Wetzlarer am Pfingstsonntag in der Buderus Arena nach guter Leistung mit 55:68 (12:15/23:28/38:50) und liegen damit in der „best-of-three“ Serie mit 0:1 in Rückstand.
Das letzte Heimspiel der laufenden Saison war zugleich der erste Auftritt der Deutsch-Amerikanerin Vanessa Erskine, die am Ende auf rund 14 Minuten Einsatzzeit kam und damit dem deutschen Rekordmeister auch zusätzliche Wechseloptionen ermöglichte. So konnte das Trainergespann Michael Paye, Felix Schell und Ralf Neumann endlich auch wieder die beiden Center Colin Higgins und Matthias Güntner auf das RBBL-Parkett bringen, was der Partie sichtlich gut tat.
Bereits nach wenigen Sekunden Spielzeit merkte man beiden Seiten den gegenseitigen Respekt an und entsprechend vorsichtig agierten zu Beginn die Thüringer wie auch die Mittelhessen. Über das 6:4 (4.) durch Quinten Zantinge oder dem 10:10 (8.) nach einem Freiwurf von Thomas Böhme, gelang es den favorisierten Gästen erst kurz vor dem Ende des ersten Spielviertels sich erstmals beim 10:15 (9.) durch Vahid Gholomazad einen kleinen Vorsprung zu erarbeiten. Doch die Gastgeber ließen sich davon am Sonntag wenig beeindrucken und konterten auch einen ersten Dreier von Bulls-Schütze Jordi Ruiz zum 16:22 (14.). Matthias Güntner und erneut Kapitän Böhme sorgten nur eine Minute später zunächst für das 20:22 (15.), ehe Böhme ebenfalls von jenseits der 6,75m-Markierung den Halbzeitstand von 23:28 erzielen konnte.
Die entscheidende Phase sollte dann jedoch direkt nach dem Seitenwechsel folgen, als die Gäste aus Ostdeutschland schnell auf 26:37 (24.) enteilen konnten. Lag Bulls-Topscorer Aliaksandr Halouski bis zur Pause mit zwei erzielten Punkten noch bestens an der defensiven RSV-Leine, zeigte er in Durchgang zwei seine ganze Klasse. Mit zwölf Zählern im dritten Spielviertel avancierte er nicht nur zur bestimmenden Offensivkraft der Gäste in diesem Abschnitt, sondern auch zum späteren Topscorer der Partie, der nach der Halbzeit für den RSV nicht mehr kontrollierbar war.
Dagegen lief es in dieser Phase für den RSV eher bescheiden, lediglich von der Freiwurflinie hielten sich die Gastgeber im Rennen, auch wenn dort ebenfalls entscheidende Punkte vergeben wurden. Erst im Schlussviertel, nach einem 38:50-Rückstand (30.), kam der RSV Lahn-Dill offensiv wieder besser in Tritt. Nationalspieler Güntner, Colin Higgins in seinem letzten Auftritt vor eigenem Publikum sowie Zantinge und Paye brachten ihre Farben bis zur 34. Spielminute noch einmal auf 48:55 heran, doch diesen Vorsprung ließen sich die routinierten Thüringer nicht mehr vom Brot nehmen. Unter den Anfeuerungsrufen der eigenen Fans brachte der RSV den Gast nun immer wieder an die Freiwurflinie, um die Uhr zu stoppen, doch von dieser zeigte sich das Team von Trainer André Bienek nervenstark. Am Ende gelang den Bulls ein verdienter Erfolg gegen einen Hausherrn in der Buderus Arena, der in diesem ersten Finalspiel keinesfalls enttäuschte und sich den verdienten Applaus seiner Anhänger redlich verdiente.
Auch die Statistik belegt die Ausgeglichenheit an diesem Tag mit 33 zu 38 Rebounds, 18 zu 20 Assists und beidseitig lediglich acht Ballverlusten. Lediglich die Trefferquote machte im ersten von maximal drei Finalspielen den kleinen, aber entscheidenden Unterschied. Während die Thüringer am Ende auf 46 Prozent kamen, lag der RSV Lahn-Dill mit 36,1 Prozentpunkte deutlich dahinter.
Nun kommt es am kommenden Freitagabend um 19:30 Uhr in Elxleben zum zweiten Playoff-Duell der beiden Langzeitkonkurrenten um die deutsche Meisterschaft. Die Gäste aus Wetzlar müssen dieses Spiel dabei zwingend für sich entscheiden, wollen sie den Titelverteidiger in ein drittes und dann alles entscheidendes Match um den Titel 2026 zwingen.
Lahn-Dill: Thomas Böhme (15/2 Dreier), Michael Paye (9), Quinten Zantinge (9), Matthias Güntner (8), Rose Hollermann (7/1), Colin Higgins (5), Julian Lammering (2), Vanessa Erskine, Finlay Erskine (n.e.), Fabian Gail (n.e.).
Thüringen: Aliaksandr Halouski (24/1), Jordi Ruiz (11/1), Vahid Gholomazad (10), Arie Twigt (10), Joakim Linden (7), Hubert Hager (6), Lukas Gloßner, Marie Kier, Anil Cegil (n.e.), Tomas Klein (n.e.).
Foto (Armin Diekman): Matthias Güntner (#9)




