Das Spiel hat gezeigt, dass wir noch Zeit brauchen

64:72-Heimniederlage in der Buderus Arena gegen Rhine River Rhinos aus Wiesbaden

Der RSV Lahn-Dill hatte angerichtet, Moderator Dirk Schäfer brachte die Wetzlarer Buderus Arena auf Betriebstemperatur, Oberbürgermeister Manfred Wagner ehrte die insgesamt zehn WM-Teilnehmer in beiden Teams und ein stimmungsvolles neues Line-Up bescherte der RSV-Spielstätte eine prickelnde Atmosphäre. Doch am Ende konnten sich die Rhine River Rhinos am Freitagabend in der Buderus Arena für das Halbfinal-Aus im Mai revanchieren und mit einer starken Leistung einen verdienten 72:64-Erfolg (15:10/35:24/55:46) gegen einen RSV Lahn-Dill feiern, dem es erkennbar noch an zahlreichen Feinheiten in der Abstimmung fehlte.

Der neue RSV Head Coach Victor nahm dann auch in der folgenden öffentlichen Pressekonferenz kein Blatt vor dem Mund: „Das Spiel hat gezeigt, dass wir Zeit brauchen, um zu der Mannschaft zu werden, die wir sein wollen. In der ersten Halbzeit haben wir zahlreiche Fehler in der Verteidigung und vor allem im Angriff gemacht, die uns daran gehindert haben unseren Rhythmus zu finden“. Doch er hob auch die positiven Dinge hervor: „In der zweiten Halbzeit haben wir aber eine starke Reaktion gesehen. Die Mannschaft ging härter in die Zweikämpfe, wurde dabei aggressiver und kämpfte um jeden Ballbesitz. Dadurch gelang es uns, einen deutlichen Rückstand gegen Wiesbaden aufzuholen und wieder voll ins Spiel zu kommen“.

Er wie auch seine Co-Trainer Ralf Neumann und Felix Schell sahen zunächst einen ausgeglichenen Auftakt, bei dem die Gäste aus der hessischen Landeshauptstadt die Partie nach einem 4:3 (2.) für den RSV auf 4:11 (6.) drehten. Eine erste frühe Auszeit des Spaniers Ramos sorgte zwar schnell wieder für den 8:11-Anschluss (8.) aus Sicht seiner Schützlinge, doch schon in dieser Phase war zu erkennen, dass an diesem Abend in Wetzlar mit den Rhinos nicht zu spaßen war. Viertel Nummer eins drückte offensiv der Iraner Mojtaba Kamali mit acht Punkten seinen Stempel auf und in den zweiten zehn Spielminuten übernahm diesen Part der Australier Lachlin Dalton. Auf der Gegenseite agierte ein RSV Lahn-Dill, der es dem Gegner in der Verteidigung streckenweise zu einfach machte und dem es in der Offensive zu oft an Durchschlagskraft fehlte. Und so zogen die Rhinos über 12:22 (12.) und 16:31 (17.) bereits früh bedrohlich davon. Wäre auf RSV-Seite nicht Kapitän Thomas Böhme mit zehn erzielten Punkten gewesen, das Hessenderby wäre bereits zur Halbzeit entschieden gewesen.

Doch selbst der Kabinengang nach 20 Spielminuten sollte zunächst keine Wende bringen, denn nun war es der Japaner Kei Akita, der bereits vor der Halbzeitsirene anfing aus allen Lagen hochprozentig zu treffen und von der RSV-Defensive nicht an die Leine gelegt werden konnte. Mit zwei Dreier binnen weniger Sekunden sorgte er Mitte des dritten Viertels fast im Alleingang für das 30:51 (24.) aus Sicht der konsternierten Wetzlarer. Victor Ramos nahm eine erneute Auszeit und diese sollte in der Folge endlich die ersehnte Wende in der Begegnung des dritten Spieltages in der RBBL bringen. Urplötzlich strotzen die Hausherren vor Aggressivität und zeigten mit zwei technischen Fouls auch eine mentale Reaktion.

Offensiv nahmen nun Kapitän Böhme zusammen mit Center Matthias Güntner das Heft in die Hand und nur acht Minuten nach der zuvor höchsten Führung der Wiesbadener waren die Gastgeber nach einem 19:4-Lauf beim 49:55 (32.) wieder auf Schlagdistanz. Sofort war die Halle wieder da und trieb den RSV nach vorne, doch immer wieder verhinderten kleine, aber entscheidende Fehler die Wende zum letztendlichen Happyend. Und so nützen auch drei weitere Dreier von Böhme und der US-Amerikanerin Rose Hollermann am Ende nichts, um einen in dieser Phase sichtbar wackelnden Gast doch noch zu bezwingen. Unter dem Strich war der Erfolg der Rhinos dennoch hoch verdient und am Ende auch souverän. Zu schwach war letztendlich die RSV-Trefferquote über die gesamte Spielzeit, zu hoch die individuelle Fehlerquote, um einen allerdings auch stark aufspielenden Gegner aus Wiesbaden in wirkliche Gefahr zu bringen.

„Diese Mannschaft braucht Zeit, aber sie braucht auch die Unterstützung unserer Fans. Für mich persönlich ist es ein Traum, ein Spiel in einer Arena zu erleben, in der so viele Menschen die Mannschaft unterstützen und anfeuern. Deshalb hoffe ich, dass wir diese Unterstützung weiterhin bei jedem Spiel spüren können“, appellierte zum Abschluss Head Coach Victor an die Geduld und die Unterstützung der RSV-Fans. Auf seine Mannschaft wartet nun in der kommenden Trainingswoche viel Arbeit und am Samstag, den 31. Oktober die Auswärtshürde bei den Köln 99ers.

Lahn-Dill: Thomas Böhme (34/3 Dreier), Matthias Güntner (16), Rose Hollermann (7/1), Max Lammering (4), Krzysztof Kozaryna (2), Quinten Zantinge (1), Julian Lammering, Abby Dunn, Finlay Erskine (n.e.).

Wiesbaden: Kei Akita (27/3), Mojtaba Kamali (20), Lachlin Dalton (14/2), Teemu Partanen (3), Tim Diedrich (2), Jake Eastwood (2), Steven Elliott (2), James Palmer (2), Geshnigani Hosseini (n.e.).

RSV-Magazin Defense