Ausfall von Lowpointer Blair nimmt RSV Lahn-Dill jegliche Wechseloptionen – 1:0 in der Halbfinalserie
Der 54:48-Heimsieg (12:13/22:19/41:30) des RSV Lahn-Dill zum Auftakt des Playoff-Halbfinals gegen die Rhine River Rhinos hört sich nüchtern nur nach dem allerdings wichtigen 1:0 in der „best-of-three“ Serie an, war bei näherer Betrachtung jedoch fast eine sportliche Sensation. Hintergrund war die Hiobsbotschaft, dass Lowpointer Jannik Blair verletzungsbedingt ausfiel und das Trainergespann Michael Paye, Felix Schell und Ralf Neumann damit keine einzige Wechseloption mehr zur Verfügung hatte.
Nach dem Abgang des kanadischen Lowpointers Vincent Dallaire Ende Januar lag die gesamte Belastung in diesem enorm wichtigen Klassifizierungs-Cluster bereits rein auf den Schultern des australischen Weltklassespielers Blair, der nun allerdings mit einer Hüftverletzung ausfiel. Damit stand Cheftrainer Paye nur noch eine einzige Aufstellung zur Verfügung und damit war gleichzeitig auch klar, dass zum Beispiel Nationalmannschafts-Center Matthias Güntner oder der erfahren Kanadier Colin Higgins keine Chancen hatten, auf dem Parkett der Buderus Arena ihre Klasse zu unterstreichen.
Doch genau diesem sportlichen Super-Gau trotzen mit Thomas Böhme, Julian Lammering, Quinten Zantinge sowie Rose Hollermann und Spielertrainer Michael Paye die RSV-Fünf mit Bravour. Sie verteidigten mit Herzblut, standen 40 Spielminuten ohne Pause durch und so feierte der Rekordmeister am Ende einen Sieg des Willens über konsternierte Wiesbadener. Was zu Beginn noch nach einem Überraschungseffekt aussah, als die Hausherren in der Buderus Arena aus einem 6:8 (6.) ein 12:8 (9.) machten, zog sich am Ende durch wie ein roter Faden. Die Mittelhessen kämpften vor allem in der Verteidigung aufopferungsvoll und ebenso clever und konnten so die überschaubare Trefferquote in der Offensive, angesichts der nicht eingespielten Aufstellung, kompensieren. Die Rhinos aus der hessischen Landeshauptstadt fanden gegen die personell erzwungene RSV-Taktik dagegen kaum ein Mittel sich in Szene zu setzen. Und hätten die Wiesbadener in Halbzeit eins nicht Nationalspieler Nico Dreimüller mit acht Punkten in ihren Reihen gehabt, wäre die mageren 22:19-Führung für den RSV zur Halbzeit bereits komfortabler ausgefallen.
Wer jetzt an eine Wende in der Partie aufgrund einer taktische Neuausrichtung der Rhinos in der Halbzeitpause, einhergehend mit schwindenden Kräften bei den Hausherren,der glaubte, wurde erneut eines Besseren belehrt. Ganz im Gegenteil, Kapitän Tommy Böhme legte zum Wiederbeginn das 28:21 (22.) vor und US-Nationalspielerin Rose Hollermann zog nach. Neun Punkte alleine in Spielviertel drei plus weitere fünf Zähler im Schlussabschnitt sollten letztendlich der Grundstein für den von vielen nicht erwarteten späteren Sieg sein.
Bis auf 43:30 (31.) zogen die Wetzlarer davon, ehe in der Schlussphase die Rhinos ihre letzte Chance witterten und mit aller Kraft die späte Wende wollten. Mojtaba Kamali war es, der die letzten zehn Spielminuten offensiv zu seinen machte und alle 18 Punkte seiner Farben markierte. Eng wurde es dann noch einmal, als der Niederländer Quinten Zantinge in der 36. Spielminute sein fünftes Foul geahndet bekam, denn einen Ersatz hätte der RSV aufgrund der beschriebenen Klassifizierungssituation nicht einwechseln dürfen. Doch Mojtaba Kamali zur Seite standen in diesem Schlussviertel offensiv wenige der Rhinos und so brachte der RSV nicht nur den Heimsieg in einer mit 1.600 Zuschauern jubelnden Buderus Arena über die Zeit, sondern erzielte damit auch das wichtige 1:0 in der Halbfinalserie „best-of-three“.
Welche Leistung die fünf verbleibenden RSV-Akteure am Sonntagnachmittag in der Buderus Arena vollbrachten, belegt ein Blick in die Statistik. Mit Hollermann und Böhme gelang zwei RSV-Akteuren ein sogenanntes „Double-Double“ mit 22 Punkten und zwölf Rebounds bzw. 20 Zählern und zehn Rebounds.
Die Rhinos ihrerseits sind nun am kommenden Samstag um 17:00 Uhr in Wiesbaden gezwungen Duell Nummer zwei unbedingt zu gewinnen, um nicht bereits vorzeitig die Playoff-Segel streichen zu müssen. Der deutsche Rekordmeister RSV Lahn-Dill dagegen ist in der vermeintlich komfortablen Situation nur noch einen Erfolg aus Spiel zwei und einem möglichen dritten und dann alles entscheidenden Semifinale holen zu müssen, um das Finalticket buchen zu können.
Lahn-Dill: Rose Hollermann (22), Thomas Böhme (20), Michael Paye (8), Julian Lammering (2), Quinten Zantinge (2), Jannik Blair (n.e.), Finlay Erskine (n.e.), Fabian Gail (n.e.), Matthias Güntner (n.e.), Colin Higgins (n.e.).
Wiesbaden: Mojtaba Kamali (24), Nico Dreimüller (10), Kei Akita (8), James Palmer (4), Tim Diedrich (2), Simon Dornieden (n.e.), Hannah Dodd, Steven Elliott, Takuya Furusawa, Nicola Damiano (n.e.), Mehran Hosseini (n.e.), Paul Nikolaus (n.e.).
Foto (Armin Diekmann): Beste Stimmung in der Buderus Arena!




